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Die 5 besten Notizapps für Solopreneure (Building a Second Brain)

May 27, 2021

Ein Artikel über Notizapps? Klingt erst einmal technisch und langweilig nicht wahr? Aber ich kann Dich beruhigen, denn wie so oft sind die jeweiligen Apps nur Mittel zum Zweck. Dieser kann aber gar nicht hoch genug bewertet werden, denn als selbstständige Solopreneure sind wir ja gleichzeitig auch tägliche Content Creator. Wir entwickeln Produkte, Dienstleistungen, Services und produzieren regelmäßig Inhalte im Rahmen des Content-Marketings.

Damit wir nicht immer von Null beginnen müssen, konsumieren wir natürlich auch jede Menge Inhalte zu Recherchezwecken. Wir lesen Artikel, Blogs und Bücher, hören Podcasts und Audiobücher, schauen uns Videos, Onlinekurse und Vorträge an und bilden uns (hoffentlich) regelmäßig weiter. Dabei sammeln wir im Laufe der Zeit natürlich eine Menge Ideen, Informationen, Impulse und Notizen. Und die entscheidende Frage lautet: Wie sammelt und organisiert man all diese Ideen langfristig? Die Antwort lautet: Notizapps, und die fünf besten davon möchte ich Dir gerne vorstellen und Dir die jeweiligen Vor- und Nachteile näherbringen.

Das Konzept des zweiten Gedächtnisses

 Ich selber mache mir seit über zehn Jahren regelmäßig Notizen (mittlerweile dürften da ein paar Tausend zusammengekommen sein). Wenn ich eine spontane Idee habe, wenn ich ein Buch gelesen habe oder wenn ich einen Workshop besuche. Anfangs noch per Paperblank und meinem geliebten Montblanc Füller, später dann digital. Doch während mir das Sammeln und Notieren immer sehr einfach gefallen ist, habe ich nie eine richtige Struktur in meine Ideenablage bekommen.

Vor einem knappen Jahr bin ich dann über Tiago Forte gestolpert, der das Konzept des zweiten Gedächtnisses (Second Brain) entwickelt hat, welches als Ziel die Kreation eines persönlichen KMS (Knowledge Management System) hat. Er bietet einen ziemlich teuren Cohort based Onlinekurs an, den ich gerade durchlaufe, und der mir in mehrfacher Hinsicht die Augen geöffnet hat. Sein System lässt sich in ganz komprimierter Form auf die C.O.D.E. Systematik herunterbrechen. Dabei ist C.O.D.E. ein Akronym das für folgende Phasen der Informationsverarbeitung:

C = Capture

Das Sammeln sämtlicher Ideen und Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen in unserer Notizapp der Wahl.

O = Organise

Die nachvollziehbare Organisation der Notizen in einer für unser zukünftiges Ich ausgerichteten Form.

D = Distill

Die Verarbeitung und Komprimierung der Notizen inkl. einer Zusammenfassung in unseren eigenen Worten.

E = Express

Die Weiterverarbeitung verschiedener Ideen zu eigenen Inhalten wie Artikeln, Social Media Posts, Videos, Podcasts, Seminaren oder Büchern.

Read Later Apps als Zwischenschritt

Bevor eine Idee die C.O.D.E. Systematik durchlaufen kann, habe ich noch einen Zwischenschritt eingebaut, um Artikel, über die ich im Netz stolpere für den späteren Konsum abzuspeichern. Hierzu nutze ich 

1) Instapaper und

2) Matter

Für beide Apps gibt es sowohl ein Chrome Extension, als auch eine Share Funktion für iOS, so dass ich sämtliche Interessanten Inhalte mit nur einem Klick an Instapaper bzw. Matter weiterleiten kann, wo ich sie später lesen und mit Highlights versehen kann.

Die markierten Highlights der einzelnen Artikel, werden dann automatisiert an die App Readwise exportiert, von wo aus die ebenfalls automatisiert (und mit entsprechenden Tags versehen) an die jeweilige Notizapp weitergeleitet werden. Wenn Du Readwise ausprobieren möchtest, dann klicke hier und Du bekommst statt regulär 30 Tage eine 60-tägige Testversion zum Ausprobieren.

Die 5 besten Notizapps für Selbstständige (inkl. meinem Favoriten) 

Kommen wir nun zu den einzelnen Notizapps. Nach einer kurzen allgemeinen Vorstellung gehe ich jeweils auf die aus meiner Sicht wichtigsten Vor- und Nachteile ein, bevor ich mit meinem ganz persönlichen Usecase schließe.

 

Notizapp #1: Evernote

Evernote ist der Klassiker unter den digitalen Notizapps. Ich nutze das Programm mit dem grünen Elefanten im Logo schon seit über zehn Jahren und es besticht durch seine bewährte Performance und den vom eigenen Computer bekannten Ordnern als Ablage.

Kosten: Es gibt eine Free Version (sehr beschränkt) und die Premium Variante kostet ab 6,99$ im Monat.

Link zu Evernote: https://evernote.com

Die Vorteile von Evernote

  • Evernote ist die perfekte App für die Capture Phase
  • Mit dem Webclipper kann man so gut wie jede Webseite in sekundeschnelle in der App abspeichern. Inkl. Tags und mit einem konkreten Zielnotebook. Keine andere App macht dies so gut wie Evernote.
  • Evernote bietet die Möglichkeit, Emails direkt an die App weiterzuleiten. So geht keine wichtige Konversation verloren und man kann diese sogar entsprechenden Projekten zuordnen.
  • Evernote ist mit vielen anderen Programmen und Apps nativ verbunden, so dass viele Workflows automatisch funktionieren.
  • Die Suchfunktion ist richtig gut. Man findet alle sofort wieder. Allerdings nur, wenn man weiß, was konkret man sucht.

Die Nachteile von Evernote

  • Der Editor ist maximal mittelmäßig. Es macht keinen Spaß, darin zu schreiben.
  • Die in 2020 erschienene (und brandneue!!) Version 10 der App war ein ziemlicher Flop. Die Community lief Sturm, weil so viele Dinge unausgegoren waren, und das Unternehmen selber empfahl, doch lieber die Legacy Version zu verwenden.
  • Die App wirkt insgesamt eher altbacken, die Verwaltung der Ordnerstruktur ist umständlich und die Ablage wird schnell unübersichtlich.

Mein Usecase von Evernote

Ich nutze Evernote nach wie vor zum Abspeichern, sammeln und weiterleiten wichtiger Ideen, Notizen, Dokumente, Emails und Daten. Es ist meine zweite digitale Ablage (neben meinem PARA System in iCloud).

 

Notizapp #2: Notion

Notion ist eine Software, die den Markt der Notizapps revolutioniert hat. Die App basiert auf dem Konzept der Datenbanken und Blöcke, die jeweils miteinander verknüpft und verlinkt werden können. Der Funktionsumfang ist wirklich gigantisch, es kann aber zu Beginn etwas dauern, bis man sich eingearbeitet hat.

Kosten: Die Personal Version ist kostenlos und enthält eigentlich alles, was man benötigt. Möchte man Notion im Team nutzen, werden pro User und pro Monat 8$ fällig.

Link zu Notion: https://www.notion.so

Die Vorteile von Notion

  • Datenbanken. Datenbanken. Datenbanken. Wer einmal die Power dieses Instruments erlebt hat, möchte es nicht mehr missen.
  • Einzelne Datenbanken, Seiten und sogar Blöcke sind miteinander verknüpfbar.
  • Perfekt für systematisches und strukturiertes Arbeiten
  • Eignet sich perfekt als Tools für Teamarbeit
  • Vor wenigen Tagen wurde die API veröffentlicht worden, so dass man Notion  nun auch mit anderen Apps verknüpfen kann
  • Notion ist super günstig und der kostenlose Personal Account reicht in der Regel aus.

Die Nachteile von Notion

  • Aufgrund des Funktionsumfangs kann die App am Anfang sehr überwältigend wirken
  • Die App ist häufig extrem langsam, was den Workflow erschwert
  • Notion bietet keine Möglichkeit, lokal Daten zu speichern, was arbeiten bei Aussetzern schwierig macht (ist in letzter Zeit häufig vorgekommen).

Mein Usecase von Notion

Aufgrund der beschriebenen Nachteile habe ich den Einsatz von Notion runtergefahren und nutze die App nur noch für das Management meiner Anfragen und Buchungen als Keynote Speaker, sowie als CRM System. An die Möglichkeiten, die mir Notion hier bietet, kommt kein Google Sheet und auch keine Excel Tabelle ran. 

 

Notizapp #3: Craft

Craft ist eine recht neue Notizapp im Bereich der Personal Knowledgement Systems, und aktuell gibt es sie nur im Apple Universum, dafür aber sowohl für MacOs als auch für iOS und iPad Os. Was mich an der App so begeistert: Man macht sie auf und fühlt sich von der Optik umgehend geschmeichelt. Das Userinterface ist einfach ein Traum! Seit kurzem gibt es sowohl eine Kalenderintegration, als auch eine Daily Notes Funktion, was die Möglichkeiten des Workflows noch einmal deutlich erhöht haben.

Kosten: Die freie Version ist auf 1000 Blöcke begrenzt. Die Vollversion kostet 44,99$ im Jahr.

Link zu Craft: https://www.craft.do

Die Vorteile von Craft

  • Craft arbeitet ebenfalls mit Blöcken, die mit anderen Seiten oder Blöcken verlinkt werden können.
  • Seiten können ineinander Verschachtelt werden, was die Organisation sehr übersichtlich macht.
  • Craft bietet ebenfalls die Möglichkeit, Seiten untereinander zu verlinken.
  • Die Apps für iPhone und iPad sind genial und gerade fürs iPad gibt es wohl keine nutzerfreundlichere Notizapp.
  • Das Schreiben in der App macht unglaublich viel Spaß, so dass man geradezu animiert wird, mehr zu schreiben.
  • Die Exportfunktion in diverse Formate ist genial.
  • Die Geschwindigkeit mit der neue Features veröffentlicht werden ist sehr beeindruckend und die Community im Craft Slack-Channel immer hilfsbereit
  • Durch die Integration von Daily Notes, dem eigenen Kalender und Tasks lassen sich viele wichtige Workflows abdecken.

Nachteile

  • Die App ist noch sehr jung und besitzt daher noch einen etwas geringeren Funktionsumfang als die Wettbewerber.
  • Gibt es nur für Apple.

Mein Usecase von Craft

Ich nutze Craft für das kreative Arbeiten und das Schreiben längerer Texte und das Outlinen meiner Vorträge. 

 

Notizapp #4: Roam Research (Mein Favorit)

Roam Research ist eine App, von der ich nicht wusste, dass sie mir gefehlt hat, bis ich sie ausprobiert habe. Sie funktioniert nämlich wie das menschliche Gehirn, d.h. sie ist nicht linear aufgebaut, sondern systematisch. Anstelle von Ordner gibt es einen Graph von einzelnen Notizen, die über bidirektionale Links miteinander verknüpft sind. 

Kosten: 165$ pro Jahr. Es gibt auch einen "Believer" Plan, dieser kostet 500$ für 5 Jahre und beinhaltet zusätzliche Perks und Funktionen.

Link zu Roam Research: https://roamresearch.com

Die Vorteile von Roam Research

  • Bi-directional Links!!! Ein mega geniales Feature. Alles ist miteinander verlinkt, so dass man beispielsweise alle Notizen zu einem bestimmten Thema sofort übersichtlich angezeigt bekommt.
  • Dies geht nicht nur auf Notiz-, sondern sogar auf Blockebene.
  • Man kann einzelne Blöcke verlinken, so dass die Erstellung von Inhalten super easy wird
  • Das finden von Inhalten und die Erstellung von Content macht Spaß
  • Hilft enorm bei der Entwicklung kreativer Ideen
  • Funktioniert wie das menschliche Gehirn
  • Die Daily Notes Funktion hilft beim täglichen Schreiben und der Entwicklung von Ideen
  • Der visuelle Graph bietet die perfekte Übersicht über die Verknüpfung der einzelnen Notizen.

Die Nachteile von Roam Research

  • Die App ist recht teuer. Es gibt zwar eine 30-tägige Testphase, aber keine kostenlose Variante.
  • Im bezahlten Package gibt es keine Möglichkeit, Daten lokal abzuspeichern, diese liegen alle in der Cloud.
  • Es gibt (noch) keine mobilen Apps.
  • Rudimentäre Exportmöglichkeiten.
  • Roam Research wird über den Browser (oder eine Chrome  Bookmark App) bedient.

Mein Usecase

Seit fast zwei Monaten habe ich Roam Research nun täglich im Einsatz und liebe die App von Tag zu Tag mehr. Ich nutze sie für Recherche, das Sammeln von Ideen, die Verknüpfung von Inhalten und die Kreation von Artikeln (zum Beispiel dieser hier), Podcasts oder Konzepte.

Mit der Daily Note Funktion verwalte ich zudem meine ToDos, meine täglichen Prioritäten und notiere sämtliche spontane Ideen. Keine andere App hat je so gut zu meiner Art des Denkens gepasst!

 

Notizapp #5: Obsidian

Obsidian ist Roam sehr ähnlich, aber dann doch anders. Die App beschreibt sich selbts als "your Second Brain forever" und setzt ebenfalls auf bidirectional Linking und einen visuellen Graph der einzelnen Notizen.

Kosten: Die Personal Version ist kostenlos. Zusätzliche Services wie Sync (4$/Monat) oder Publish (8$/Monat) kosten extra.

Link zu Obsidian: https://obsidian.md

Die Vorteile von Obsidian

  • Bidirectional Linking und ein visueller Graph
  • Die Daten werden lokal als Markdown Files abgespeichert. Man hat immer Zugriff.
  • Es gibt eine iOS App, die sich (noch) in der Beta Phase befindet, aber sehr cool ist.
  • Die Community ist mega unterstützend und es werden permanent neue Plugins entwickelt.
  • Die Verwendung ist kostenlos!

Die Nachteile von Obsidian

Die App ist noch jung und damit sind nicht alle Funktionen verfügbar.

Die Bedienung ist Anfangs etwas umständlich und hat eine größere Lernkurve

 

Fazit: Welches ist die beste App für Solopreneure und Selbstständige?

Aus meinen Usecases ist hoffentlich deutlich geworden, dass es nicht die eine App gibt, die alle Funktionen abbildet, die man im täglichen Alltag benötigt. Schlussendlich ist es wichtig, dass man sich darüber im Klaren ist, wofür man die Apps nutzen will und sie genau danach auswählt. Im Endeffekt läuft dies dann immer auf eine Kombination mehrerer Apps hinaus, die am besten zum eigenen Workflow passen. Dies gesagt, möchte ich mit dem vielleicht wichtigsten Satz dieses Artikels schließen:

Die beste App ist immer diejenige, welche Du konsistent und dauerhaft nutzt!

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